Rosa Luxemburg oder: Der Preis der Freiheit

  Ihre Menschlichkeit war tief im Humanismus vorangegangener Denker,

die die europäische Kultur nachhaltig beeinflußt haben, verwurzelt. 

Aus der Beschäftigung mit der Geschichte, Literatur und Kunst der Völker und Nationen

anderer Kontinente erhielt sie … Impulse. Ihre Entschlossenheit im Handeln und

ihre Fähigkeit, neue gesellschaftliche Entwicklungen und Erscheinungen analytisch zu

erfassen und auf neue Fragen undogmatisch zu antworten, entwickelten sich in dem Maße,

wie ihre Erfahrungen in der sozialdemokratisch organisierten Arbeiterbewegung wuchsen.

Annelies Laschitza

Während der russischen Revolution der Jahre 1905 bis 1907 geriet die aus Deutschland in ihre polnische Heimat geeilte Rosa Luxemburg 1906 in die Fänge der Warschauer Polizei. Polen war damals kein eigenständiger Staat, sondern unter den drei Kaiserreichen Rußland, Preußendeutschland und Österreich aufgeteilt. Polens Hauptstadt Warschau gehörte zum riesigen Russischen Reich, in dem sich ein Zaren-Regime mit Geheimpolizei, korrupter Bürokratie und Polizeiterror mühsam an der Macht hielt. Unter zaristischen Verhältnissen bedeutete eine Verhaftung aus politischen Gründen höchste Gefahr für Leib und Leben. Deshalb sammelten die engsten polnischen Freunde Rosa Luxemburgs nicht nur für eine Kaution und für die Bestechung eines hohen Offiziers Geld – sie setzten auch die Drohung in Umlauf, das Leben hochgestellter russischer Beamter sei nicht mehr sicher, sollte ihr auch nur ein Haar gekrümmt werden. Kurze Zeit später wurde sie freigelassen – sie reiste nach Finnland, das damals auch zum Russischen Reich gehörte, und entkam von dort nach Deutschland, ihrem Lebensmittelpunkt. Ihre Heimat in Russisch-Polen sah sie nie wieder.

Rosa Luxemburg führte über viele Jahre ein politisches Doppelleben: Sie war Mitglied der »Sozialdemokratischen Partei Deutschlands«, der SPD, und sie war Mitbegründerin der »Sozialdemokratie des Königreichs Polen und Litauens«, der heute fast völlig vergessenen SDKPiL – über deren Existenz in der deutschen Sozialdemokratie kaum jemand etwas Genaueres wußte. Nach Deutschland war sie auf dem Umweg über die Schweiz gekommen, damals das freieste Land der Welt, in dem sogar Frauen studieren durften. Bei den Behörden in Deutschland war Rosa Luxemburg allerdings als Rosalia Lübeck gemeldet. Durch eine Scheinehe mit einem Emigrantensohn aus Deutschland, die von 1898 bis 1903 dauerte, war die in Zürich frisch promovierte siebenundzwanzigjährige Wirtschaftswissenschaftlerin 1898 an die deutsche Staatsbürgerschaft gelangt. Denn in Russisch-Polen erwartete solche wie sie die Verbannung nach Sibirien, in Deutschland hingegen agierte seit 1890 legal die größte aller sozialdemokratischen Arbeiterparteien, die unter anderem auf einen zwölfjährigen illegalen Kampf gegen ihr Verbot unter dem berüchtigten Sozialistengesetz* und auf viele Wahlerfolge zurückblicken konnte.

Was lag für eine polnische Sozialistin näher, als ins kaiserliche Preußendeutschland, das in seinen östlichen Gebieten über annektiertes polnisches Territorium verfügte, zu gehen? Zumal wenn sie in Wort und Schrift die deutsche Sprache besser beherrschte als die meisten Deutschen? Von allen anderen Sprachkenntnissen – Polnisch, Russisch, Französisch, Englisch, Italienisch – nicht zu reden.

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